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19.10.2014

L e b e n s mittel

Es ist einfach unglaublich, den Menschen in seinem Lauf hält weder "Ochs' noch Esel" auf, erkannte schon der letzte große große Statthalter ostdeutscher Volkswirtschaft mit abgrundtiefer Einsicht in die real existierende sozialistischer Ökonomie.

Dort wie hier wurde mit kompromissloser Nachhaltigkeit den natürlichen Fressfeinden der industriellen Agrarbewirtschaftung mit chemiewaffentauglichen Kampfstoffen entgegengetreten. Insektizide, die bei richtiger Dosierung auch das legendäre Zyklon B hätten ersetzen können, wurden in beiden Gesellschaftsformen vorsätzlich und flächendeckend eingesetzt. Wirklich gewinnen konnten dabei hier wie dort nur Wenige, verloren aber hatten bereits vor allem das landwirtschaftlich erzeugte Lebensmittel (ein schönes Wort oder?), die Natur selbst und vor allem der Glaube des Verbrauchers (eigentlich ein hässliches Wort!, aber immer noch die Maxime) an der deren intakter Bedeutung für unser Wohl. Dann kamen die ersten Ökos, die vor allem den anthroposophischen Blick auf die Dinge schärften, und zwar so, dass wir heute alle den gleichen industriell produzierten Unfug nur mit Biosiegel kaufenverbrauchen können, – das war ein langer Weg.
Ein langer Weg, der vor allem die vielzitierten "Selbstheilungskräfte des Marktes" aufs Anschaulichste als Glaubensfrage bestätigte. Nachdem wir nun auch genügend Siegel für jedes erdenkliche Versprechen aufgedrückt bekommen haben, können wir nun ganz den Tiefstpreis im Auge, uns auch ein gutes Gewissen nebenbei mitkaufen, und das ohne Aufpreis. Das Model mit den Siegeln funktioniert inzwischen so gut, das selbst ausrangierte Investment-Banker der "Bankenkrise"unsereihre Millionenabfindungen in Biogemüseanbau in Rumänien und Bulgarien vergolden. Dort sind bereits weite Teile der Wirtschaftsflächen zum Spottpreis abverkauft worden und warten darauf mit EU-Mitteln als "Bio" gefördert, nachhaltig Geld zu drucken.
An anderen Orten in der Welt kann man solche Zertifikate für den EU-Raum längst für "kleines" unter dem Amtstresen korrupter Verwaltungen in Fernost erwerben und dann die geadelte Nachhaltigkeit gewinnbringender in der Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie erwirtschaften. Siegel sind einfach immer gut.



Beim Fleischkonsum sieht die Sache jedoch von jeher komplett anders aus. Seit Dekaden jagt ein Skandal den nächsten, Rinderwahn, Vogelgrippe, Hormone, geklont oder genetisch optimiert, "dem Ingenieur ist nicht zu schwör". Andere artentypische Folgeschäden bei Zucht und Handel, wie die Umetikettierung von Verfall und dessen optische Aufbereitung für den Verkaufstresen, konnten den Wahnsinn zwar beim Rind stoppen nicht aber beim Käufer.

Das soll jetzt anders werden, mit CEPA und TTIP werden dem mündigen Konsumenten nun die Vorteile globaler Gewinnoptimierung auf politisch höchster Ebene als geheim gehaltene Entscheidung vorenthalten. Solche Abkommen haben ja eigentlich nur Vorteile, man kann die mühselig erarbeiteten Differenzierungen zugunsten einer verschlankten Bürokratie kostenoptimiert vom Markt nehmen, der Rest regelt sich ja bekanntermassen immer von selbst. Und wir  mündige Verbraucher haben nur Vorteile dabei, ganz sicher, – wie immer muss man nur daran glauben. Und im Moment, dem Moment der wirtschaftlichen Einbrüche allenthalben, nehmen wir ja gerade wieder alles, Waffenlieferungen, Militäreinsätze, Datenabverkauf und Handelsabkommen, Hauptsache das "Goldene Kalb" bleibt uns erhalten – Wachstum.
Die ganze überflüssige Diskussion über die Handelsabkommen wird ja vornehmlich an einigen wenigen Details geführt ohne dabei das "große Ganze" auch nur zu streifen. Zum Beispiel das vielzitierte ChlorKZ-Huhn aus MillionenUS-Mastbetrieben, kann selbst mit mutwilligem Einsatz von Chlor, die heimischen Angebote, meist niederländischer Grossinvestorenbetriebe nicht mehr verschlimmbessern (die machen ja bei uns das, was zuhause längst verboten wurde), da gebe ich den Lobbyhorchern im Bundestag recht. Und die muss man ja auch mal verstehen, in zwei Jahren wird bestimmt irgendwo in der Industrie ein gutbesser bezahlter Job frei, mal nachhaltig gedacht. Und beim Fleisch, da bin ich mir noch sicherer, haben wir Deutsche auch gar nichts mehr zu verlieren, sondern da können wir als die Lebensmittelhinterbänklersparfüchse der EU nur noch gewinnen, wenn wir noch billigere Fleisch aus Übersee bekommen (da die dort mehr Platz haben, dürfen die genetisch optimierten Rinder sich sogar mal bewegen). Wie bereits formuliert, nirgendwo liegt die Latte tiefer und wird für weniger Geld gerissen als bei uns, und das wollen wir genau so. Aber darum geht es eigentlich gar nicht, der eigentliche Knaller bei den Freihandelsabkommen ist der legalisierte Investorenschutz, der es US-Unternehmen möglich macht, den gleichen Grad an finanzieller Fürsorge beim Scheitern einzuklagen, mit dem wir schon die Banken gepampert haben. Der feuchte Traum eines jeden Neoliberalen...

Das sieht natürlich bei einigen unserer Nachbarn schon deutlich anders aus. Frankreich beispielsweise verfolgt da ganz natürlich andere Interessen. Das gescholtene Land mit seiner unglaublichen Geflügeltradition, bei dem der bekloppte Franzose auch schon mal 50 EUR für ein Bressehuhn (mit Siegel) ausgibt und dabei noch weitere 50 verschiedene Rassen als Alternativangebot findet, hat da sicherlich nachvollziehbar ganz andere Einwände, um nur ein kleines Beispiel zu nennen.
Selbst schuld, kann man als wirtschaftlich überlegen aufgestellter Deutscher nur sagen, beim AlDiscounter gibt es Tiefkühlhähnchen schon für 3,50; – und am Grillstand vor dem MediaBaumarkt kriegst Du dafür ein Halbes fertig gegrillt dort hingestellt und das obwohl wir bei den Energiekosten in Europa auch führen, der Raute sei Dank. Wir Besserdeutschen können es einfach...


14.10.2014

Burger goes Veggie

Gestern Abend hat der allgegenwärtige Fernsehkochdarsteller (so darf man doch sicherlich inzwischen sagen, wenn man nur noch als Moderator tätig ist) Tim Mälzer seine berühmten großen Augen gemacht, als er erfahren durfte das nach Einschätzung eines erfahrenen Grosshändlers, Deutschland innerhalb der EU als Kompostecke minderwertiger industrialisierter Gemüseproduktion gehandelt wird.


Die Farbe der Tomate


Tim Mälzer, der selbsternannte "Rockstar" unter den Kochmoderatoren, begleitet nachdem er nun bereits seit einer gefühlten Dekade richtigen Männern beim grillen und steaken die Zange gehalten hat, dem schwindenden Publikum allabendlicher TV-Kochberatung beim neusten ausgemachten Trend, der Vegetarisierung der deutschen fleischfressenden TV-Pflanze. Tim gibt jetzt den Lebensmittelchecker in Primetime beim Bezahlfernsehen auf der Eins. Gestern ginge es um die Farben, Inhalte und Nährwerte vegetarischer Lebensmittelprodukte, einerseits in ihrer artentypischen Umgebung beim Discounter und beim fliegenden Händler auf dem Markt. Erste Lektion für unseren Tim, was gut aussieht, schmeckt noch lange nicht gut, noch beinhaltet es irgendetwas mehr. Ganz im Gegenteil lernte der ehemalige Burgerking, schonend gefrostet ist vitaminreicher als Supermarktbiolabel, der eigene Garten ist nachhaltig und richtig Bio ist teuer. Nachdem er irritiert zur Kenntnis nahm, dass in Deutschland nur das Gemüse verkauft wird was in Europa sonst niemand mehr für Geld abnehmen möchte, da keiner hierzulande bereit ist mehr als den Kompostabverkaufspreis für Gemüseprodukte zu bezahlen. In der Hierarchie vortrefflichen Gemüseangebots stehen deshalb an vorderen Stellen für den Qualitätshandel  in der EU die gescholtenen Südeuropäer, aber auch UK, Skandinavien und selbst Holland. Die sollen doch sparen sagt die Raute. Nein, das können nur wir Deutschen, keiner zahlt freiwillig weniger.

Der Faktencheck
Dann durften wir auch noch zusammen mit Tim Mälzer lernen, dass Geschmack auch eine Frage der Erfahrung ist. Im "Faktencheck" einer Fussgängerzone erwiesen sich alle befragten Rentner als geschmacklich komplett anders aufgestellt als das befragte "junge Gemüse", das scheinbar nur auf Zuckeranteil zu reagieren schien. War das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Man weiss es nicht...

Also man darf Hoffnung haben, trotz der Tatsache das alles viel zu teuer ist. Wenn kochen nur nicht so viel Arbeit machen würde und der selbst bewirtschaftete Flecken Garten so viel Zeit verschlingen würde, dann gäbe es selbst hierzulande einen letzten Lichtblick. Am Ende Sendung trat ein Angestellter der Stadt Andernach in Erscheinung, der städtische Grünflächen mit Nutzpflanzen statt mit Zierpflanzen ausstattet. Jeder kann sich somit dort am Gemüse kostenfrei bedienen und dieses abernten. Es wurde propagiert, das das Modell bereits Schule mache und andere Gemeinden nachziehen würden… Man darf gespannt sein ?

Bis bald, Volker

10.10.2014

Regione Abruzzo – Olio Santo

Heiliges Öl


Zutaten

100 ml Olivenöl
10-15 Gramm in Scheiben geschnittene Peperocini
5 - 10 Blätter frisches Basilikum 


Zubereitung

Nehmen Sie ein kleines Schraubglas (z.B. ein Marmeladenglas) oder eine dekorative Flasche und füllen Sie die in Scheiben geschnittene Peperocini hinein. Giessen Sie das Olivenöl darüber, verschliessen das Glas gut und lagern es an einem dunklen Ort. Sie können das Glas eventuell auch in Aluminiumfolie einpacken, damit es vor Licht geschützt ist. Nach ungefähr einer Woche ist das Öl bereit, um jederzeit damit zu würzen oder Salat anzumachen. 

Olio Santo, das heilige Öl, ist höllisch scharf, denn es wird mit den überall in den Abruzzen und Molise geliebten Peperoncini, wie die leuchtend roten Chilischoten in Italien heissen, aromatisiert. Die feurigen Vertreter der Capiscum - Familie haben sich jedoch nicht nur als Würzzutat einen Namen gemacht, sondern gelten seit alters her auch als Heilmittel. Rheuma, Haarausfall, schlecht heilende Wunden, zu hoher Cholesterinspiegel - all das lässt sich angeblich oder tatsächlich mit Hilfe der Vitamine - C - und alkaloidreichen pfeffrigen Schötchen beheben. 




02.10.2014

Regione Abruzzo – Bucatini all’Amatriciana

Nudeln mit scharfer Specksauce  Primi piatti 



Zutaten für 4 – 6 Personen


150 gr Schweinebacke (oder durchwachsener Bauch) in 1 cm grosse Würfel schneiden
250 gr Tomaten in kleine Würfel schneiden (ersatzweise 1 Dose gehackte Tomaten)
50 gr frisch geriebener Pecorino
400 gr Bucatini
1 Zwiebel, fein gehackt
2 EL Olivenöl,
½ Peperoncino
Salz, Pfeffer aus der Mühle



Zubereitung


In einer Pfanne die Fleischwürfel mit dem Olivenöl rundum anbraten. Zwiebeln unterzeihen und glasig dünsten. Inzwischen in einem Topf reichlich Salzwasser zum kochen bringen. Die Bucatini hineingeben und "al dente" garen.
Tomaten zu den Fleischwürfel geben und durchkochen lassen. Mit Salz und fein gehacktem Peperoncino pikant würzen. Bucatini abgiessen und gut abtropfen lassen. In die Pfanne geben und gründlich mit der Sauce mischen. Hälfte vom geriebenen Käse unterheben, nochmals mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken.
Bucatini in eine vorgewärmte Schüssel oder tiefe Teller anrichten. Restlichen Käse zusammen mit einer Pfeffermühle extra dazureichen. Im Grenzgebiet zwischen Latium und Abruzzen liegt der Ort Amatrice, der diesem feurig-deftigen Gericht seinen Namen gegeben hat. 

24.09.2014

Regione Abruzzo – Agnello alle Olive

Lammbraten mit Oliven   Secondi piatti



Zutaten für 4 Personen

1 kg Lammfleisch aus der Keule
150 gr Oliven, entsteinen, davon 100 gr fein hacken
1 - 2 Zitronen (Saft),
1 Sträusschen frischer Oregano (oder 1 EL getrockneter)
¼ l Fleischbrühe,
1 Peperoni entkernen oder getrocknet fein hacken
1 EL Mehl 
6 EL Oliven
Salz, Pfeffer aus der Mühle


Zubereitung

Lammfleisch dünn mit 1 EL Mehl bestäuben. In einem Schmortopf 6 EL Olivenöl erhitzen, Fleisch hineingeben und rundum anbräunen. Mit Salz und Pfeffer würzen, den Saft von 1 Zitrone und 1/8 l Fleischbrühe angiessen. Zugedeckt 30 Min. bei kleiner Hitze schmoren.
50 g fein gehackte Oliven, und die fein gehackten Paprikaschoten nach 30 Minuten Garzeit zum Lamm geben. Die Hälfte der Oreganoblättchen einstreuen, 1/8 l Fleischbrühe nachgiessen. Zugedeckt in etwa 1 ½ Std. fertig schmoren, bis das Fleisch schön zart und mürbe ist. 50 g ganze Oliven einrühren.
Sauce mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen. Fleisch in dünne Scheiben schneiden; auf einer vorgewärmten Platte anrichten. Die Sauce darüber giessen, mit frischem Oregano bestreuen. Sehr heiss servieren.
Falls die Sauce am Schluss noch zu flüssig ist, mit etwas Sahne aufkochen und binden. Raffinierte Ergänzung: einige frische Waldpilze mit in die Sauce geben (etwa 30 Min. vor Ende der Garzeit). 

21.09.2014

Chatni

Einige unerlässliche Gewürze für ein indisches Essen. Von Links oben:
Chilischoten, Habaneros, Ingwerwurzel, Limette, Knoblauch;
Vanilleschote, Lorbeerblätter, Koriandersamen, Anis, Curryblätter:
Senfsamen, Kardamonkapseln, Nelkenstempel


Vor 20 Jahren hatte ich eine längere Zeit in Zentralindien beruflich zu tun. Zuvor, seit Mitte der 1980er Jahre, habe ich sehr viel Zeit in London verbracht. Dort hatte ich die indische Küche bereits überaus schätzen gelernt. Vermutlich findet man sie dort auch in ihrer besten und authentischsten Form ausserhalb des Subkontinents, zumindest wenn man sich etwas auskennt im Überangebot der Metropole. Die dort gebotenen Schärfegrade können mitunter auch schon erheblich sein und so entsprechend vorbereitet, war diese Erfahrung als Nagelprobe für meine Zeit in Hyderabad als gut vorbereitet angedacht. Dort hatte ich dann durchaus Gelegenheit diesen Erfahrungshorizont regelmässig eklatant ins wirklich "indische" zu erweitern. Zunächst darf angemerkt werden, ich benötigte mindestens zwei gute Wochen um mit der allgemein selbstverständlichen Schärfe und Würze der Speisen dort unter Beibehaltung meiner physischen Unversehrtheit klarzukommen. Dazu bitte ich zur Kenntnis zu nehmen, dass ich sehr gerne ungewöhnlich scharf zuvor in auch in Europa gegessen habe. Der Begriff "Schärfe", so wie er in Deutschland benutzt wird ist nur sehr unzureichend geeignet, auch das britische Prädikat "hot" taugt wenig, die in Indien gemachte Erfahrung umfänglich zu vermitteln. Aber, das ist die gute Nachricht, man gewöhnt sich nicht nur daran, sondern man beginnt auch bei 38°C diese Schärfe auch langsam selbstverständlich und normal zu empfinden. Ich erinnere mich an ein Curry von Lammhirn, das mich dann trotzallem für etwa 15 Minuten ausgeknockt hat…, fieberige Schweissausbrüche, Herzrythmusstörungen, Atemnot alles inklusive.

Eine beliebte Ergänzung zum nachwürzen (!) oder auch als Beilage, vor allem in der südindischen vegetarischen Küche sind die Relishes und Chutneys. Beide Begriffe stammen natürlich aus der englischen Sprache und sind Souvenirs der Zeit des British Empire. Relish bedeutet "Würzsauce" und Chutney ist von "chatni" (Hindi für "zum lecken") abgeleitet übernommen. Die Engländer differenzieren zwischen eher süsslichen marmeladigen Saucen als "Chutney" und für würzigere Varianten als Beilage oder Vorspeise das "Relish".
Die vegetarische Form der indischen Küche des Südens ist auch gleichzeitig die schärfste auf dem Subkontinent. Die Chatnis die ich dort gegessen habe, werden tatsächlich auch zum Frühstück gereicht mit einem Nan (Fladenbrot) und die würzigere Varianten gibt es dann zum Nachschärfen der eigentlichen Gerichte (z.B. zu einem Dal, ein typisches eingekochtes Linsengericht der Hindu), welches vornehmlich mit den Fingern gegessen wird. Nicht nur das war zunächst für mich sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch zu einem ersten Tee am Morgen gleich ein Chutney mit Brot, so scharf, dass man keine Luft mehr bekommt, das fand ich auch dauerhaft etwas schwierig. Ich habe dann längerfristig auf das "Continental Breakfast" umgestellt, schließlich wollte ich ja nicht vom Regen in die Traufe zum "British Breakfast" mit Bohnen, Würstchen und Speck… Die Orangenmarmelade schließlich, war die mit Abstand beste, die ich je gegessen habe, da träume ich noch heute davon! "Rough Cut", wie der Engländer sagt, wenn er 5mm dicke Scheiben der Orangenschale in der Marmelade meint, aber orangiger, bitterer und intensiver als jede Orange als reine Frucht es vorher war.

Paprika-Apfel-Chutney

Und so gut sind auch die Chutneys in Indien. Häufig werden subtil zusammengestellte Mischungen aus Gewürzen, Nüssen, Früchten und mit Gemüsen äusserst variantenreich kombiniert. Dazu kommen Aromen, Essenzen und Fermentationsprodukte zur Steigerung der Geschmacksdichte, die nirgendwo sonst in solcher Intensität kultiviert wurden. In Indien können diese komprimierten Geschmacksbomben jede Vorstellung von Schärfe und Komplexität sprengen, dabei wird aber auch ausgesprochen nachhaltig die europäische Geschmackspräferenz in Richtung Orient verschoben. Ich würde dort gerne mal an einen fünfjährigen Kochkurs teilnehmen, – Verpflegung inklusive.


Tomaten-Kürbis-Limonen-Chutney


Heutzutage sehne ich mich von Zeit zu Zeit nach diesen Geschmacks-Explosionen, diese sind mir äußerst nachhaltig in Erinnerung geblieben. Deshalb habe ich mir einige Originalrezepte von einem damaligen Freund, bzw. dessen Mutter geben gelassen, in indischen Haushalten kochen nie die Männer. Mit diesen Rezepten gelingt es dann auch einmal wieder den authentischen Gaumenkitzel zurückzuholen. Dabei spielt der gekonnte Einsatz von Habanero-Chillisorten bei mir heutzutage eine entscheidende Rolle. Kein anderes hier erhältliches Chiligewächs ist schärfer aber auch aromatischer. Vor allem gefällt mir deren unglaublich eigenständiger Geschmack, der in den ätherischen Ölen der Frucht gebunden ist. So halte ich es für eine große Kunst, an der ich mich noch trainiere, den Einsatz gezielt zu dosieren. Sind sie zu lange gekocht können sie extrem scharf sein, haben aber ihren wundervollen Geschmack verloren. Sind sie nur kurz vor Ende der Siedezeit eingebracht, verteilen sie häufig ihr Aroma nicht umfänglich. Führt man sie später kalt zu, dies in der richtigen Dosis und lässt das entsprechend durchziehen kann es wundervoll werden, stimmt diese aber Dosis nicht, ist das Desaster vorprogrammiert…

Ich möchte eigentlich mich hier nicht zum Chutney-Spezialisten erheben, zu eingeschränkt sind meine Erfahrungen und Erkenntnisse diese perfekt zu bereiten. Deshalb verzichte ich hier auf detaillierte Rezepte und möchte den Lesern mit diesen Zeilen Mut zum Experiment machen, sich selbst einige Varianten zu erarbeiten, da genug Raum für eigene Ideen und Vorstellungen vorhanden ist. Grundsätzlich ist es ähnlich dem hiesigen "Einmachen" oder "Marmelade kochen". Durch Zucker oder Essig als Konservierungsmittel, werden die gekochten Gemüse-Frucht-Zusammenstellungen in Gläsern konserviert. Im wesentlichen unterscheiden sich diese aber durch den umfänglichen Einsatz orientalischer Gewürze und die teils widersprüchlichen Kombinationen von Süssem und Herbem. In den meisten Fällen werden zunächst die Samen, Kapseln, Blätter, Schoten und gehackte Zutaten (Zwiebeln, Ingwer, Nüsse, Knoblauch, Chili) in heissem pflanzlichem Öl angeröstet und dann mit Gemüse- und Fruchtstücken gelöscht und unter Zugabe von Zucker oder Essig eingekocht. Grundsätzlich besteht immer die Schwierigkeit im heissen Zustand das Gekochte auf Geschmack und Komplexität zu überprüfen, da sich diese Eigenschaften kalt komplett verändern. Durch die Hitze werden Aromen stärker wahrgenommen als im kalten Zustand, so kann Essig heiss unerträglich sein, der kalt in den üblichen Mengen von "eingelegten Gurken" eingesetzt, durchaus pikant wirken kann. Dies betrifft vor allem die tragenden Gewürze und über allem das Chili. Da ist Erfahrungssuche angesagt, da auch die Vorstellungen über die fertigen "Chatni" sehr unterschiedlich ausgelegt werden können. Als grober Vorschlag für einen ersten Beginn und für etwa 1 kg Chutney wäre der Einsatz von etwa einer halben Habanero-Schote ohne Kerne, und je einem halben bis zu einem Teelöffel der abgebildeten Gewürze (Senfkörner, Lorbeer- und Curryblätter, Koriandersamen, Kardamonkapseln, 1 Limone mit Schale, reichlich Knoblauch, etc. für 300 g Zucker bzw. 200ml Essig auf 800 g Obst bzw. Gemüse, Tomatenmark, Zwiebeln, etc. ) denkbar. Die Limone sollte heiss abgerieben werden, auch eventuelle Bio-Zitronen. Jetzt im Herbst gibt es ein reichliches Gemüseangebot, Kürbis, Gurken, Rettiche, Wurzelgemüse und reichlich Obst. Übrigens für Chutney empfehlen sich kleiner Einkochgläser zwecks besserer Portionierung.

Auch ein Grund meine originalen Rezepte nicht an dieser Stelle zu veröffentlichen ist der deren Missverständlichkeit für den "durchschnittlichen Mitteleuropäer", die meisten davon wären häufig kaum geniessbar… Manchmal wird von 500g Chili bei insgesamt 1,5 kg Chutney geredet! Dazu kommen wir an anderer Stelle noch, das bereits gezeigte Kimchi hat bald Saison, da kommen auch schnell mal Unmengen Chili zum Einsatz!


Viel Erfolg, Volker

16.09.2014

Regione Abruzzo – Fettuccine all’abruzzese

Bandnudeln mit Safransauce   Primi Piatti 


Zutaten für 4 Personen

8 Zucchiniblüten mit zarten Fruchtstielen
½ Bund Basilikum, in feine Streifen schneiden,
½ Bund glatte Petersilie, fein gehackt
4 EL frisch geriebener Pecorino
Einige Fäden (20) iranischen Safran (dunkelrot)
1/8 l Fleisch – oder Gemüsebrühe
400 g frische Bandnudeln, alt. 200g Trockennudeln
1 Zwiebel, fein gehackt
4 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer aus der Mühle 


Zubereitung

Zucchiniblüten von den Fruchtstielen trennen. 4 Blüten und die Fruchtstiele in feine Streifen schneiden. In einem grossen Topf ca. 3 ltr Salzwasser für die Bandnudeln zum Kochen bringen. In einem Topf 4 EL Olivenöl erhitzen. Zwiebeln andünsten, Safran in 2 EL warmem Wasser auflösen und untermischen. Feingeschnittene Zucchiniblüten, Fruchtstiele und Kräuter einrühren, die Bouillon angiessen und sanft köcheln lassen. Salzen und pfeffern.
Bandnudeln ins kochende Wasser geben und al dente kochen. Falls nötig, die Sauce zwischendurch mit einigen EL Nudelwasser verdünnen. Die 4 übrigen Zucchiniblüten auf die Sauce setzen, Topf zudecken und die Blüten kurz mitgaren. Al dente gekochte Nudeln abtropfen lassen und sofort mit der Sauce vermengen, mit Salz und Pfeffer wenn nötig nachwürzen.
Auf 4 vorgewärmte tiefe Teller verteilen und mit den unzerteilten, nur kur angedünsteten Zucchiniblüten garnieren. Den frisch geriebenen Pecorino separat dazu servieren.